Ein gelähmter Kater und sein hingebungsvoller Mensch zeigen uns die Schönheit der bedingungsvollen Liebe


Wie ich dich liebe? Lass mich zählen, wie.
Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit,
Als meine Seele blindlings reicht, wenn sie
Ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.
- Elizabeth Barrett Browning

COSPICUA, 19.02.2017 von Alexander Johnson. Sugars Leben begann brutal. Als kleines Kätzchen wurde er vom Dach eines hohen Hauses auf den harten Asphalt geworfen. Diese Gewalttat beeinträchtigte sein junges Gehirn und lähmte ihn vom Hals abwärts. Irgendwie schaffte es der kleine Tabby, sich in einen dunklen Eingang zu ziehen. Eine freundliche Passantin wurde auf seine Schmerzensschreie aufmerksam und rief sofort eine tierliebende Freundin an, die bestens bekannt ist die Hilfe für kranke und verletzte Katzen. Dies war der Beginn vieler Jahre geprägt von Hingabe und einer tiefen, liebevollen Verbundenheit zwischen dem Kater  «Sugar» und seinem Mensch Doris Zarb.

Doris und ihr geliebter Sugar
Trotzdem er sich kaum bewegen konnte war es nicht einfach, das traumatisierte Kätzchen einzufangen. Es hatte noch viel Überlebenswillen in sich. Mit einem Augenzwinkern erinnert sich Doris: "Als wir ihn endlich hatten biss er mich aus Angst, und meine Hand schwoll an wie ein Ballon." Während der folgenden Wochen reiste Doris von einem Tierarzt zum anderen nur um letztendlich zu erfahren, dass Sugar für den Rest seines Lebens gelähmt bleiben würde. Doris erzählt: "Man empfahl mir, Sugar einschläfern zu lassen. Da er aber schmerzfrei war und ziemlich lebendig, sah ich dafür keinen Grund und ignorierte einfach den Rat.”

Fast zärtlich fährt Doris fort: "Im Laufe der Zeit akzeptierte Sugar mich als seinen Freund, und schenkt mir fortan bei jedem Streicheln ein wohliges Schnurren. Wie konnte ich ihn da gehen lassen. Er war so süss und liebevoll, daher nannte ich ihn «Sugar» und entschloss mich, ihn zu behalten." Seit nunmehr fast dreizehn Jahren wird Sugar von Hand gefüttert und mehrmals täglich sauber gemacht - was Doris alles andere als eine Pflicht empfindet.

Wasser geben per Spritzendüse
Wo Doris hin geht ist Sugar nicht weit, immer in kuscheligen Deckchen in einem Korb gebettet. "Er ist auch nachts bei mir," sagt sie. "Im Schlaf liegt er kerzengerade und steif wie ein Brett, nicht eingerollt wie die meisten Katzen." Im Traum hat er manchmal
Krämpfe, von denen ich sogar wach werde." Erstaunlicherweise war Sugar während all der Jahre nicht einmal krank! "Aber der Sturz ruinierte all seine Zähne, so dass sie gezogen werden mussten," erwähnt Doris. "Im Laufe der Zeit verhärteten seine Gaumen so sehr, dass er sogar Trockenfutter kauen kann. Ansonsten erfreut sich Sugar trotz seine Lähmung bester Gesundheit!" Für die Betreuung von Sugar musste Doris einige Annehmlichkeiten opfern, wie zum Beispiel Ferien. "Wie kann ich verreisen wenn meine Katzen mich brauchen," hebt sie lächelnd hervor.

Doris widmet ihr Leben den Katzen, besonders den hilfebedürftigsten unter den Fellnasen. Sie hat hart am Aufbau eines von Maltas führenden Katzentierheimen gearbeitet, dem CSAF (Carers for Stray and Abandoned Felines), das heute mehr als 250 Katzen beherbergt. Hier verbringen Doris und Sugar die meiste Zeit eines langen Arbeitstages. Dabei wird Sugar von einer Entourage von Katzen umgeben, die sich gerne in seiner Nähe aufhalten. "Die Katzen lieben ihn, sie spielen mit ihm und man sieht, dass es ihm gefällt." freut sich Doris. Als sie ihn ruft, hebt der Kater seinen Kopf, um nach seinem geliebten Menschen zu schauen. "Ich liebe alle Katzen," gesteht Doris, "aber Sugar hat seinen ganz speziellen Platz in meinem Herzen."

Niemand erwartete, dass Sugar mehr als eine Woche überleben würde, geschweige denn all diese Jahre. Er hat es den Pessimisten richtig gezeigt, denn heute ist er glücklich und gesund und hat noch viel Zeit vor sich. Ein kleines Wunder, entstanden aus Liebe und Zuwendung.

Mehr zu Doris und die grossartige Arbeit des CSAF in «Inseln der Katzen» auf den Seiten 79-85.

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